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Schmerz

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Schmerzen, Leiden, Schäden

Tieren darf laut Absatz 3 von Artikel 2 des Tierschutzgesetzes nicht ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden. Die Bedeutung dieser Begriffe bei Fischen und Krebstieren wurde zusammen mit Fachexperten abgeklärt. Die Frage, ob und in welchem Umfang Fische Schmerzen empfinden können, ist wissenschaftlich nicht abschliessend geklärt (siehe unten). Dieser Aspekt wurde deshalb bei der Betrachtung der Belastung durch die verschiedenen Formen der Nutzung nicht berücksichtigt.
Die Leidensfähigkeit von Fischen steht demgegenüber ausser Zweifel; sie wird durch zahlreiche verhaltenswissenschaftliche und physiologische Untersuchungen belegt. Als Leiden werden vom Schmerz nicht erfasste Beeinträchtigungen des Wohlbefindens verstanden. Beim Fisch führen instinktwidrige und lebensfeindliche Einflüsse, wie etwa ungünstige Wasserparameter (Temperatur, pH-Wert, Sauerstoffgehalt usw.) oder das Handling beim Fang oder Sortieren sehr rasch zu stressbedingten Veränderungen. Primär steigen die Werte der Stresshormone Kortisol und Katecholamin sehr rasch an und führen zu einer Erhöhung der Herz- und Atemfrequenz. Eine Kombination der Stressoren multipliziert deren Wirkung und kann beim Fisch zum Tod führen. Bei länger dauernder Belastung sind Veränderungen der Blutwerte (Erhöhung der Kapillarpermeabilität, Elektrolytimbalanzen, Störungen der Blutgerinnung), aber auch gravierende Schäden an Leber und Kiemen zu erwarten. Zudem kommt es zu einer Verminderung der Abwehrkraft gegen Krankheiten (Immunosuppression). Die Argumentation in der Motion Sommaruga «Artgerechte Tierhaltung auch für Fische», welche einen direkten Zusammenhang zwischen schlechten Haltungsbedingungen und Krankheitsanfälligkeit beziehungsweise Medikamenteneinsatz in der Fischzucht sieht, ist deshalb durchaus nachvollziehbar.
Schäden sind als Stressfolgen oder aber auch durch mechanische Belastung (zum Beispiel beim Fang oder beim Anfassen) möglich. Die feinen, für die Atmung wichtigen Kiemenstrukturen, die nur dünne Schleimhaut über den Schuppen und die inneren Organe sind sehr empfindlich.

Rolf Frischknecht
Bundesamt für Veterinärwesen
Empfinden Fische Schmerz?

Der Tierschutz hat zum Ziel, Schmerzen und Leiden bei Haltung, Fang, Transport und dem Töten von Tieren zu minimieren. Dabei geht man davon aus, dass Wirbeltiere wie Säuger oder Vögel Schmerz sowohl empfinden wie auch wahrnehmen können. Die Frage, ob auch Fische Schmerz fühlen können, ist umstritten.
Bei höheren Wirbeltieren wird ein schädigender Reiz, zum Beispiel eine Verbrennung auf der Haut, durch spezielle Rezeptoren (Nozirezeptoren) in der Haut sensorisch registriert und anschliessend in spezialisierten Gehirnarealen verarbeitet und als Schmerz psychisch wahrgenommen. Für Fische ist unbestritten, dass sie auf schädigende Reize Vermeidungsreaktionen zeigen – wird beispielsweise in Experimenten die Fütterung mit einem leichten Stromschlag kombiniert, so stellen die Fische die Futteraufnahme ein. Es wird jedoch kontrovers diskutiert, ob die Reizwahrnehmung bei Fischen auch mit einer Schmerzwahrnehmung verbunden ist.
Wissenschaftler wie der amerikanische Zoologe James D. Rose haben gezeigt, dass im Gehirn von Fischen jene Regionen fehlen, die bei höheren Wirbeltieren für die Schmerzwahrnehmung verantwortlich sind, und daraus gefolgert, dass eine psychische Schmerzempfindung bei Fischen nicht möglich ist. In den letzten Jahren haben sich jedoch vermehrt Hinweise ergeben, dass Fische sehr wohl in der Lage sind, Schmerz wahrzunehmen. Insbesondere die Untersuchungen einer Arbeitsgruppe an der Universität Edinburgh zeigten, dass mechanische, chemische oder thermische Reize bei Fischen physiologische und neuronale Reaktionen auslösten, die mit den Schmerzwahrnehmungsreaktionen höherer Wirbeltiere vergleichbar sind, was nahe legt, dass Fische auch die Fähigkeit zur Schmerzempfindung besitzen.

Helmut Segner, Leiter des Zentrums für Fisch- und Wildtiermedizin (FIWI)

Wenn Koi und andere Fische krank sind, ist es ratsam, einen Fisch-Arzt um Rat zu fragen.

Die richtige Diagnose zu stellen, ist für unerfahrene Teichbesitzer fast unmöglich.
Wenn Sie Ihre Fische gut beobachten und ihr Verhalten studieren, können Sie dem Fishdoc bereits am Telefon wertvolle Informationen liefern, die der Arzt in die Untersuchung und Diagnose einschliessen kann.
Rechts finden Sie den Link zu Dr. Ralpf Knüsel, der für die Deutschschweiz und das Tessin zuständig ist.

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